Krall's publication, 1892, pp. 10-11
I. Der Fund.
§4. Die Mumie.
Die Mumie selbst, aller Binden frei, ist in einem Glaskasten aufrechtstehend, wie seinerzeit in der Bildergalerie des M. v. Baric, untergebracht. Sie misst vom Scheitel zu den Sohlen etwa 1.62 m. Sie zeigt an der Stirne2 Spuren von Vergoldung. Es ist dies eine Erscheinung, welche, so viel ich sehe, nur auf Mumien der griechisch-römischen Zeit sich vorfindet. Von der Cailliaud geöffneten Mumie des Petemenon, genannt Ammonios, aus dem Anfange des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts heisst es, dass 'la poitrine et une partie de l'abdomen sont dorés inégalement sur l'épiderme' und 'plusieurs parties des bras sont dorées par places, comme la poitrine'.
2 Director Ljubic erwähnt (s. o. S. 7) auch Spuren von Vergoldung an den Schultern der Mumie, von der man jetzt nichts mehr sieht.Herr Gaston Maspero theilt mir über diese Sitte Folgendes gütigst mit: 'On a signalé un certain nombre de momies dorées. La seule qiu ait été figurée à ma connaissance est celle qui fut ouverte par Pettigrew. Il l'a décrite, p. XVI, 65-66 de son ouvrage 'History of Egyptian Mummies' et représentée le corps entier sur la planche frontispice, la tête seule planche II du même ouvrage. La momie en question était d'époque greco-romaine, comme toutes les autres momies du même genre qu'on a signalées. J'en ai trouvé une demidouzaine environ dont deux à Saqqarah, une à Akhmîm, le reste à Thèbes: toutes étaient gréco-romaines et l'or y était semé plutôt qu'étendu sur le corps comme dans la momie de Pettigrew. Pourtant une feuille d'or tapisse le plus souvent de façon continue le dessous du pied, sans doute pour donner au mort le moyen de vérifier la prédiction d'après laquelle il devait dans l'autre monde marcher sur un sol d'or. Au-dela de la période grecque, on employait le masque d'or comme sur la momie du Sérapéum qui est an Louvre, les feuilles d'or an lieu d'être collées sur la peau étaient répandues en petit nombre dans l'épaisseur des bandage. Malheureusement les Arabes savent cela mieux que nous, et il est rare qu'une momie passe par leurs mains sans perdre son masque et ses phylactères.' (Brief aus Paris vom 16. December 1891.)
Einem Berichte (vom 28. December 1891) über eine Untersuchung der Haare der Mumie, welche Herr Professor V. v. Ebner anzustellen die Güte hatte, entnehme ich folgende Mittheilungen:
'Die Farbe der Haare in ihrer jetzigen Erhaltung erscheint sehr ungleich, am Ende lichtroth bis braunroth, gegen das aufgerollte Ende sind die Haare jedoch durch mit freiem Auge erkennbare, aufgelagerte Massen vielfach unter einander zu dicken Büscheln verklebt und erscheinen dort dunkelbraun bis matt grauschwarz, ohne Glanz... Bei mikroskopischer Untersuchung erkennt mann, namentlich wenn das Haar im Wasser liegt, dass dasselbe überall wie mit einer Lackschichte, die zahlreiche Sprünge und höckerige Vorsprünge zeigt, bedeckt ist. Diese fremdartige Bedeckung fehlt stellenweise... Die harzartigen Massen, welche den Haaren aufgelagert sind, lösen sich nicht im Wasser, verdünnter Essigsäure, auch nicht in Aether, wohl aber theilweise in Alkohol und in Terpentinöl. Die Lösungflüssigkeit färbt sich gelbbraun und zugleich fällt eine unlösliche, fein vertheilte braune Substanz zu Boden. Sehr energisch wirken Alkalien. In acht- bis zehnpercentiger Kali- oder Natronlauge quellen die Haare nach wenigen Minuten stark auf, und die Flüssigkeit färbt sich rasch braun; nach kurzer Zeit zerbröckeln die Haare und entfärben sich fast vollständig, behalten nur mehr einen gelblichen Farbenton, der aber nach Entfernung des Alkali durch Auswaschen mit Wasser nachträglich noch in wenigen Tagen gänzlich bis zur völligen Farblosigkeit schwindet. Dies ist eine auffällige Erscheinung im Vergleiche zu recenten Haaren. Der Farbstoff der letzteren wird bei derselben Behandlung kaum verändert. Weniger energisch wirkt verdünntes Ammoniak... Die unlöslichen Partikelchen, welche bei der Entfernung der harzartigen Auflagerungen durch Reagentien übrig bleiben, sind theils Epidermisschüppchen, zu grösseren Mengen zusammengeballt, theils mannigfaltige Fremdkörper, wie Stäbe von Pflanzenparenchymen, Leinenfasern, Pflanzenhaare u. s. w.; auch eine millimeterlange Fliegenwade fand sich vor, endlich eckige, theilweise krystallinische Mineralbestandtheile... Die genauere mikroskopische Untersuchung ergab nicht, was in Bezug auf die Form und Maassverhältnisse der Haare in anthropologischer Beziehung von besonderem Interesse wäre. Haare wie die vorliegenden kommen wohl gelegentlich bei allen heute lebenden europäischen Völkern vor. Die Länge der Haare beträgt nach einer beiläufigen Bestimmung 125-150 Millimeter... Die Dicke der Haare schwankt zwischen 0.040 und 0.096 Millimeter. Die Haare sind meistens nicht kreisrund, sondern von ovalem Querschitte... Ueber die natürliche Farbe der Haare etwas auszusagen wäre mit Rücksicht auf das früher Mitgetheilte und mit Rücksicht auf andere Beobachtungen1 sehr gewagt. Es ist wahrscheinlich, dass die ursprüngliche Haarfarbe durch secundäre Veränderung der Haarpigmente, auf welche das Verhalten derselben gegen fixe Alkalien schliessen lässt, sich geändert hat. Es ist möglich, dass die Haare ursprünglich dunkelbraun bis schwarz waren. Reinigt man die Haare mit verdünnter Ammoniaklösung und trocknet sie sodann, so erscheinen sie für das freie Auge auf dunklem Grunde braun mit röthlichem Glanze, auf weissem Grunde rothbraun. Nach Auswaschen der Haare in Terpentinöl und dann in Alkohol erscheinen dieselben trocken von wechselnder Farbe, auf dunklem Grunde licht- bis dunkelbraun mit rötlichem, stellenweise hell-rothem Glanze, auf lichtem Grunde mehr gleichmässig rothbraun.'
1 Eine rothe Färbung der Haare scheint bei ägyptischen Mumien eine häufige Erscheinung zu sein und wird wohl mit Recht als eine Folge des Einbalsamirens betrachtet. So sagt Eble (Die Lehre von den Haaren, Wien 1831, II. Bd., S. 7) von den Haaren einer Kindermumie, die er untersuchte: 'Ihre rothe Farbe scheint nur von der Balsamirmasse herzurühren.' J. N. Czermak, der in Prag zwei dem dortigen physiologischen Institute geschenkte ägyptische Mumien histologisch untersuchte (Sitzungsber. d. k. Akad. d. Wissensch. in Wien 1852, Bd. IX, S. 427 und Gesammelte Schriften, Leipzig 1879, Bd. I, S. 119 und 127), bemerkt von der Mumie eines etwa fünfzehnjährigen Knaben: 'Von den Haaren fand ich nach sorgfältiger Untersuchung einzelne rothbraun gefärbte Reste auf der Kopfhaut', und von einer weiblichen Mumie: 'Die Haare am Kopfe waren gelblichtbraun und rothbraun gefärbt. Es scheint dies nicht ihre natürliche Farbe gewesen zu sein. Doch lässt sich darüber ebensowenig als über die wahre Farbe der Haut mit Sicherheit urtheilen. Der Einfluss der zur Balsamirung verwendeten Stoffe auf die Färbung der Theile ist nicht zu bestimmen.' Ferner: 'Die Cilien an den Augenlidern waren, mit einzelnen Ausnahmen, nicht licht wie das Kopfhaar, sondern dunkel rothbraun bis schwarz. Dies spricht für die obige Annahme des Farbenwechsels der Haare in Folge der Balsamirung.' H. Schaffhausen (Arch. für Anthropologie, Bd. V, S. 125) sagt: 'Ich habe viele Beobachtungen gesammelt, welche beweisen, dass alle Haare, auch die schwarzen, durch hohes Alter rothbraun werden. So werden die Haare des sibirischen Mammuth gefunden, die zum Theile noch schwarz sind, So die vieler ägyptischen Mumien und der peruanischen Aymaras' etc. Es ist ferner eine den Gerichtsärzten bekannte Erfahrung, dass 'todte Haare überhaupt im Laufe der Zeit röthlich werden'. (E. v. Hofman: Lehrbuch der gerichtlichen Medicin, IV. Auflage, Wien und leipzig 1887, S. 842.)§5. Die Binden, pp. 12-15
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