Krall's publication, 1892, pp. 4-5
I. Der Fund.
§2. Michael v. Baric.
Die nicht unbeträchtliche ägyptische Sammlung des Agramer Museums wurde zum grösseren Theile aus dem Nachlasse des k. k. Feldmarschall-Lieutenants Franz Koller (†1826) im Jahre 1868 erworben. Eine gute Uebersicht derselben gibt der oben erwähnte, auf die Bestimmungen von H. Brugsch zurückgehende Katalog. Mehrere Stelen der Sammlung hat inzwischen Wiedemann veröffentlicht.
Unser Denkmal stammt jedoch nicht aus der Sammlung Koller; über seine Herkunft gibt ein vergilbter Zettel, der an dem Glaskasten, in welchem die Mumie ausgestellt ist, angebracht ist, authentische Auskunft. Der Zettel, von der Hand des früheren Directors der Agramer Sammlung M. Sabljar, besagt: 'Mumia iz Mizira (Aegypten). Poklonio gosp. Ilija Baric, podarci-dijakon biskupije djakovacke u Golubincu", d. h. Mumie aus Mizir (Aegypten). Geschenk des Herrn Elias Baric, Vice-Archidiakon der Djakovarer Diöcese in Golubinac.
Aus der Zuschrift dieses Elias Baric, mit welcher er sein Geschenk an das Agramer Museum begleitete, ging hervor, dass die Mumie von seinem Bruder Michael Baric aus Aegypten gebracht war. Bei der hohen Wichtigkeit von Sache habe ich mich bemüht, Näheres über die Lebensverhältnisse dieses M. Baric in Erfahrung zu bringen und bei diesem Anlasse erfahren, dass nicht blos die Feststellung von Thatsachen des grauen Alterthums mit den grössten Schwierigkeiten verbunden ist. Bei der Nachforschung förderte mich der Umstand, dass M. v. Baric einen grossen Theil seines Lebens in Wien verbacht hat. Seiner Nichte und Haupterbin Frau Th. Jellinek, Hausbesitzerin in Wien, deren Eruirung mir durch einen glücklichen Zufall gelang, verdanke ich eine Reiche wichtiger Aufschlüsse.
Es unterliegt keinem Zweifel, dass wir es hier mit dem Hofconcipisten Michael v. Barich zu thun haben, welcher am 14. December 1859 ('Wiener Zeitung' vom 18. December) in Wien, 68 Jahre alt, gestorben ist. Aus Semelac in Slavonien gebürtig, studirte er zuerst Theologie, trat dann in den Staatsdienst und wurde 1829 ('Wiener Zeitung' vom 30. Juli) zum k. ungarischen wirklichen Hofconcipisten ernannt. In dieser Stellung finden wir ihn laut den Hof- und Staatshandbüchern bis zum Jahre 1848. Gelegentlich wird seiner in den Acten des hiesigen Polizeiarchives Erwähnung gethan. So erfahren wir aus denselben, dass er 1843 gegen den jährlichen Pachtschilling von 6310 Gulden C.-M. die 'Pressburger Deutsche Zeitung' auf sechs Jahre pachtete. Beim Ausbruche der Revolution im Jahre 1848 kam er um seine Pensionirung ein. Ein 1849 eingerechtes Gesuch, in welchem er um seine Reactivirung einkam, wurde abschlägig beschieden. Die letzten Jahre seines Lebens hat er in Wien in seiner Wohnung am Fleischmarkt zugebracht.
In die Zeit (1848-1849), welche unmittelbar seiner Pensionirung folgte, fällt, nach freundlicher Mittheilung seiner Nichte Frau Th. Jellinek, jene grosse Reise unseres M. v. Baric, von welcher er, wie wir heute sagen müssen, als werthvollstes Stück die fragliche Mumie mitbrachte. Wir erfahren überhaupt, dass M. v. Baric ein Kunstfreund war, Bilder, seltene Vasen, Antiquitäten sammelte. Bei diesen Neigungen ist eine Fahrt nach Aegypten, zu welcher ihm, dem mehrere Häuser in Wien gehörten - noch jetzt führt die Barichgasse im dritten Wiener Gemeindebezirke nach ihm den Namen - nicht die Mittel fehlten, erklärlich. Immerhin dürfte man nur wenige vormärzliche Beamte namhaft machen können, welche das Nilthal aus freien Stücken aufgesucht haben. In der Bildergalerie ihres Onkels erinnert sich die obenerwähnte Dame in ihrer Kindheit die Mumie aufrechtstehend (d. h. so, wie sie jetzt in Agram aufgestellt ist), sowie auch das Gesicht derselben gesehen zu haben. Es war sonach schon vor dem Jahre 1859 zum Mindesten der Kopf der Mumie freigelegt. Scherzhafter Weise hat M. v. Baric die Mumie als 'Schwester des Königs Stephan von Ungarn' den Besuchern seiner Galerie vorgeführt.
Bei dem 1859 erfolgten Tode unseres M. v. Baric erhielt nach längeren Verhandlungen mit den Geschwistern sein Bruder Elias, welcher in den Djakovarer Schematismen als Vice-Archidiakon in Golubinac erscheint, die Mumie, welche er der eben im Werden begriffenen Agramer Sammlung schenkte. Die Mumie ist, da der noch jetzt an dem Glaskasten, in welchem sie untergebracht ist, befestigte Zettel von der Hand des 1865 verstorbenen Directors Sabljar herrührt, zwischen 1860 und 1865 ins Agramer Museum gekommen.
Es lässt sich leider nicht sagen, wann die Mumie gänzlich von den Binden befreit wurde, da authentische Inventaraufzeichnungen fehlen, die Zeugen aus jener Zeit, die um ein Menschenalter von uns getrennt ist, todt sind und die Angaben meiner Gewährsmänner in Bezug auf diesen Punkt nicht übereinstimmen. Am wahrscheinlichsten scheint es mir, dass die Mumie schon, als sie ins Agramer Museum kam, von den Binden gänzlich befreit war.
§3. Auffindung der Binden, pp. 6-10
Go to Chapters: [ I. §1. ] | [ §2. ] | [ §3. ] | [ §4. ] | [ §5. ] | [ §6. ] | [ §7. ] | [ §8. ] | [ §9. ] | [ §10. ] |
[ II. ] | [ Columns I.-XII. ] | [ notes ] |
[ III. ] | [ IV. ] | [ V. ] |
Tables: [ I. ] | [ II. ] | [ III. ] | [ IV. ] | [ V. ] | [ VI. ] | [ VII. ] | [ VIII. ] | [ IX. ] | [ X. ]